"Ihr seid jetzt in der Oberstufe"
"Ihr seid jetzt in der Oberstufe" oder "In der Oberstufe kann man mehr erwarten" - solche und ähnliche Sätze hört man jetzt oft von Lehrern, die mit der Qualität von Hausaufgaben oder Arbeiten nicht zufrieden sind.
Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass das geforderte Niveau in der Oberstufe ansteigt, jedoch bin ich etwas genervt von den Forderungen und Kommentaren mancher Lehrkräfte. Es liegt in den meisten Fällen nämlich gar nicht daran, dass der Schüler die Leistung nicht erbringen kann, sondern an mangelnder Motivation. Während in der ersten Klasse fast alle Schüler sehr motiviert sind, sind es schon spätestens in Klasse 3 nur noch die wenigsten. Woran liegt das? Jeder (zumindest halbwegs intelligente) Schüler lernt von Anfang an, dass es sich für ihn schlicht nicht lohnt, sich anzustrengen. Dies gilt leider besonders für die ersten vier Jahre. Hier werden alle Schüler in einen Topf geschmissen, das Niveau auf der Grundschule bewegt sich immer nur auf dem kleinsten gemeinsammen Nenner, der in der Regel sehr niedrig ist. Die meisten Schüler haben viel mehr Vorwissen, als von den Lehrplänen vorausgesetzt wird, was dazu führt, dass ein Großteil der Klasse mit erzwungenen Übungsaufgaben schlichtweg Zeit verschwendet.
Warum machen Schüler ihre Hausaufgaben nicht? Weil sie dumm sind? Weil sie bösartig sind? Nein: Weil es ihnen nichts nützt. (Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel)
Ich glaube, dass jeder Mensch in gewisser Weise ein angeborenes Bestreben nach Effizienz hat - vielleicht ist das sogar der Grund, weshalb wir so erfolgreich sind. Unsere Vorfahren fingen damit an, Werkzeuge zu bauen - warum? Um effizienter arbeiten zu können. Warum gibt es Berufe? Weil es effizienter ist, Aufgaben auf verschiedene Spezialisten aufzuteilen. Warum haben wir Maschinen und Computer? Weil sie bestimmte Arbeiten effizienter erledigen können, als der Mensch.
Stumpfsinnige Schulaufgaben laufen diesem Prinzip zuwider. Wenn ein Schüler durch seine Hausaufgaben etwas dazulernen würde und wüsste, dass er das Gelernte später auch brauchen wird, würde er seine Aufgaben mit sehr großer Wahrscheinlichkeit erledigen. Denn der Mensch hat schließlich - wie alle Säugetiere - den Trieb, zu lernen.
Der Schüler hat aber nun die Pflicht, seine Hausaufgaben zu erledigen - kommt er dieser nicht nach, wird er bestraft. Was tut der Schüler also, um dies zu Umgehen? Er schreibt als Alibi einfach "irgendetwas" ohne sich Mühe zu geben. Jeder kennt das. Diese Verhaltensweise schleift sich über die Jahre ein, ohne dass es jemals irgendwen stören würde. Doch dann wird plötzlich erwartet, dass man dieses eingeschleifte Verhalten von einem Tag auf den anderen ablegt.
Natürlich wird so etwas von Lehrern - die leider gleichzeitig die einzigen sind, die die Situation verbessern könnten - nie bedacht. Stattdessen wird lieber wieder auf den Schülern herumgehackt - die bekanntlich ja auch an unseren schlechten PISA-Ergebnissen schuld sind. Schüler werden vom Beginn ihrer Schulkarriere an ausgebremst - und dann wird plötzlich "Vollgas" erwartet.
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